Adam Fischer’s Interview with Tages Anzeiger
Tages Anzeiger
Es gibt diese Schützengrabenmentalität (German)
Adam Fischer calling democratic right to make distance from extream right.
Adam Fischer calling democratic right to make distance from extream right.
Adam Fischer wrote a letter to some members of the European Parliament in March about the “Uj Szinhaz” (New Theater) Budapest. Here is the text in German.
Sehr geehrte Damen und Herren,
Aus aktuellem Anlass möchte ich Sie über eine weitere Entwicklung in der Auseinandersetzung um das Budapester „Neue Theater” informieren, die bei einer Beurteilung des Ausmasses des Antisemitismus und der Intoleranz in der heutigen ungarischen Öffentlichkeit für mich eine symptomatische Bedeutung hat..Davor möchte ich aber auch noch auf einen wichtigen Punkt im Antwortbriefrief der Parlamentarischen Gruppe der CDU/CSU in der EPP an mich reagieren. Es wird dort, formal richtig, festgestellt, dass die Ernennung des rassistischen Schauspielers György Dörner als Direktor des Neuen Theaters nichts mit der Regierung zu tun hat, da diese durch den Budapester Oberbürgermeister Herrn Tarlos erfolgt ist. Formal ist das zwar richtig, weil für die Ernennung der OB zustaendig ist., Daraus aber zu folgern, dass Regierungskreise dadurch mit der Sache nicht zu tun haetten, geht vollkommen an der ungarischen Realitaet vorbei. Wie weit Politiker in Ungarn sich in die Belange der öffentlich-rechtlichen Theater einmischen, wie weit sie sogar in Besetzungsfragen zu intervenieren versuchen, darüber kann ich Ihnen als Ex-GMD der Staatsoper vieles erzaehlen. Es ist völlig undenkbar, dass eine Entscheidung von solcher Tragweite ohne Absprache und ohne die vorherige Billigung des Ministerpraesidenten haette erfolgen können. In der Causa Dörner kann Fidesz nicht den Pontius Pilatus spielen, zumal es der vom Parteivorsitzenden sehr stramm geführte Fidesz-war, dessen Fraktion in der Budapester Stadtversammlung die Bestellung Dörners gegen den einstimmigen Widerspruch der (wegen der dilettantisch-stümpferhaft verfassten Bewerbungsunterlagen Dörners entsetzten) Fachleute der Findungskommission durchdrückte.
Die jüngste Entwicklung in dieser Angelegenheit ist, dass Herr Tarlós der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (Gedruckte Ausgabe vom 26.2.2012) ein Interview gegeben hat, in dem er wörtlich verspricht, „er werde nicht zulassen, dass das „Neue Theater” zu einer Bühne für Antisemitismus oder andere Formen von Extremismus werde.” Er werbe dafür, „Dörner erst einmal in Ruhe arbeiten zu lassen, statt böswillige Vermutungen über die Zukunft in die Welt zu setzen.”
So hat Herr Tarlós sich also in aller Öffentlichkeit festgelegt. Das Theater hat sich aber auch vor aller Öffentlichkeit festgelegt, und das schon vorher, in dem man dort für diesen Herbst die Uraufführung des Schauspiels „ Der sechste Sarg” von Istvan Csurka angekündigt hatte. Dieses klar antisemitische Stück ist in Druck erschienen, (Püski Verlag Budapest ISBN 9789630815642) ist im Händel frei erhaeltlich und es ist ausgeschlossen, dass die Verantwortlichen im Rathaus es nicht kennen. Deshalb konnte ich zunaechst gar nicht verstehen, was Tarlós überhaupt dazu bringen konnte, eine solche Erklaerung öffentlich abzugeben. Dafür naemlich gaebe es nur eine Erklaerung , dass man in Tarlós’ Umgebung und auch bei wichtigen Politikern des Fidesz dieses Werk (inhaltliche Details weiter unten) nicht für antisemitisch oder sonst für untragbar haelt. Und das ist der wahre Skandal. Haette Tarlos der Zeitung gesagt, in einer Demokratie mit Meinungsfreiheit muss man auch antisemitische Werke spielen dürfen, waere das weniger schlimm gewesen, als das was er durch seine Stellungsnahme verraten hat.
Csurkas Drama spielt im Jahre 1920 und handelt von eine Verschwörung amerikanischer Juden, die die Friedensverhandlungen von Versaille (einschliesslich die von Trianon) bestimmen, die Wilson und Clemenceau in ihrer Macht haben und kontrollieren, die mit „Bronstein-Trotzky” in direkter Verbindung stehen und die Weltereignisse genau planen. Und die die gefaehrlichen Folgen Ihrer Handlungen für die folgenden Jahre und Jahrzehnte (einschliesslich des Holocaust) um ihres endgültigen Sieges willen in Kauf nehmen, bzw die Verfolgung bewusst provozieren. Das heisst also letzlich, dass auch für die Judenverfolgung Csurka Juden die Schuld gibt
Dass Verantwortliche des Fidesz anscheinend nichts dabei finden, dass eine solche, vom Staat subvetionierte Theaterauffürung im Herzen von Budapest, in unmittelbarer Nachbarschaft der Staatsoper (und des ehemaligen jüdischen Ghettos!) stattfindet, das finde ich erschreckend
Dieser ganze Fall steht meiner Meinung nach symbolisch für ein allgemeines Problem in Ungarn. Wenn man darüber diskutiert, ob es dort Antisemitismus gibt oder nicht, redet man oft völlig aneinander vorbei. Ihnen sagt man treuherzig, in Ungarn gebe es keinen schlimmen Antisemitismus, weil man solche Vorfaelle nicht als antisemitisch ansieht.
Ich denke, in diesem konkreten Fall sollten auch konservative europaeische Politiker intervenieren. Ich und andere Künstler können das nicht mehr so wirksam tun, weil Kritik aus Künstlerkreisen mittlerweile bei den Verantwortlichen fast automatisch zu reflexartigen Abwehrreaktionen führt. Dann hören wir sofort, die linksliberale Künstlerwelt protestiere nur, weil sie nicht den Verlust ihrer Monopolstellung im Budapester Kulturleben verkraften kann. Das hat Herr Tarlos auch in seinem FAZ Interview gesagt, wo er sich beklagte, dass „alle Budapester Theaterdirektoren haetten bisher zum selben weltanschaulichem Milieu gehört, von rosarot bis tiefrot.”
Wir alle wissen, dass es heute, zumindest in Deutschland, undenkbar waere, ein Stück, das über eine jüdische Fernlenkung des Holocaust faselt, auf einer öffentlich rechtlichen Bühne aufzuführen. Und auch deshalb denke ich, dass auch konservative Politiker mit mir einer Meinung sind, dass etwas aehnliches im EU Land Ungarn auch nicht akzeptabel sein sollte. Man muss Herrn Tarlos dazu zu bringen, dass er Herrn Dörner nicht „in Ruhe arbeiten lassen” sondern eine Aufführung des Werkes „Der sechste Sarg” untersagen soll. Ungarns unglückliche Geschichte hat eine heilsame Aufarbeitung der Verbrechen der Vergangenheit bis heute verhindert. Und das ist nicht nur tragisch, das birgt auch für zukünftige europaeische Entwicklungen Gefahren. Ein gemeinsamer Auftritt gegen die (als Kunst getarnte, aber ernst gemeinte) Geschichtsfaelschung auf der Rechten der ungarischen Gesellschaft sollte eine kleine Hilfe sein, die Öffentlichkeit in Ungarn dazu zu bringen, sich ernsthaft und kritisch mit ihrer Vergangenheit (und mit ihrer historischen Lebenslüge über den Verrat von Trianon) ernsthaft auseinanderzusetzen.
Und schliesslich möchte ich nochmals darauf hinweisen, dass das Ganze nicht nur ein Problem des Landes, sondern auch der Partei Fidesz ist. Csurka hat nicht nur 2010 zur Wahl Orbans angerufen, er hat noch kurz vor seinem Tode zur Unterstützung von Fidesz aufgerufen. Und es gibt nicht nur viele Fidesz Anhaenger aber auch Fidesz Mitglieder, die das gleiche geschlossene Weltbild wie Csurka haben, und die auch entrüstet zurückweisen würden, dass seine Trianon-Thesen irgend etwas mit Antisemitismus zu tun haetten. Ich bin überzeugt, dass die Benützung solcher Anhaenger in der politischen Auseinandersetzung als nützliche Idioten gegen Linke nicht nur einer bürgerlichen Volkspartei zutiefst unwürdig, aber auch gefaehrlich ist. Solche Geister, die man hier waeckt, wird man lange nicht mehr los.
Brüssel. Maerz 2012
Adam Fischer
Calling artists to protest against the performance of István Csurka’s The Sixth Coffin.
Adam Fischer wrote an open letter to all members of the European Peoples Party in the European Parliament.
To all Members of the European People’s Party
in the European Parliament
Brussels, February 1st, 2012
Subject: Racism in HungaryDear Sir,
Dear Madam,I am addressing my letter to you, a member of the European People’s Party. I would like to draw your attention to some dangerous developments in Hungary and ask you to help us save the values that are central to the European ideal. Many people in Hungary and in all of Europe hold these values in high regard and we must do everything in our power to defend them.
As of today, Ferbruary 1st 2012, the Budapest theatre “Uj szinház” will be headed by a new team. The director will be György Dörner who intends to lead the house in the spirit of the author in residence, István Csurka, doyen of Hungarian antisemitism. This will be the first time since the war that a publicly funded theatre will have the license to spread racist ideologies
The nomination of Dörner and Csurka provoked an outcry all over Europe. Members of the theatre, both here and abroad, have protested. (You may find a letter of protest signed by more than tenthousand people on the net at www.aznemlehet.net ) The most frightening fact for us is that the collaboration between the ruling party and racist-antisemitic groups is much closer than is currently publicly known or suspected. This only became apparent through the public controversy concerning Dörner’s nomination. Only recently Csurka bragged in his newspaper about how important his committment had been for the Fidesz Party to win a two thirds majority in the last elections. Csurka is the head of the antisemitic extremely right wing MIÉP party; as leader of their parliamentary group he was member of the Hungarian Parliament from 1993 -1994 and again from 1998 -2002. In the last election in 2010 his party did not run for Parliament but he asked everybody to vote for Fidesz. The – in my view outrageous- allegation that Dörner’s and Csurka’s nomination could be part of a cynical deal between Fidesz and MIÉP was not even denied by the Mayor of Budapest, responsible for the nomination.
Since the Second World War it had generally been agreed – at least in the Western states of Europe- that groups proclaiming racist ideologies should be politically quarantined. This is not the case in Hungary where things have taken a dangerous turn. Sadly, the public is susceptible to antisemitic propaganda for various reasons, partly due to unfortunate facts in the country’s history. Tactical maneuvers from the side of the government to integrate parts of the extreme right, in order to prevent worse things from happening on the one hand, but also, to use them for their own domestic political purposes, have calamitous consequences: recent polls have shown that the number of people who openly confess to antisemitism has multiplied. Today antisemitism has become a menial sin and its danger is being downplayed or even denied by the ruling party. And thus antisemitism becomes ever more socially acceptable.
The future harbours severe dangers. In times of financial crises the number of those will grow who equate the international banking system with international Jewry, and hold it responsible for all their worries. We have been here before. If our government does not vigorously counter these forces it will not be able to exorcize the evil spirits it has helped conjure up.
WE NEED YOUR HELP. There are many people in Hungary for whom the ideals of the European Union are very important, who want to keep alive the liberal and cosmopolitan traditon; a tradition which also exists in Hungary. Many of these people encouraged me to write this letter to you. Only you as freely and democratically elected members of the conservatives in the European Parliament can exert sufficient ideological pressure on Fidesz to fight racist tendencies in their own ranks. Fidesz can only fight racism in Hungary when it starts fighting racism in its own party. And only you can convince them to do this. I implore you not to yield to a misplaced sense of solidarity within the ‘party-family.’ We would wish that Fidesz exclude members from the party who have attracted public attention for their racist comments (as for example the journalist Zsolt Bayer). We also ask that all circumstances leading to the nomination of the new leaders of ‘Uj Szinház’ be disclosed. But most importantly we implore you to urge Fidesz to follow a zero tolerance policy towards the radical right. Fidesz has already been contaminated by antisemitic ideas and if nothing happens to stop this the whole European Right runs a risk of being contaminated by Fidesz. Please help us not to let this happen!
Thank you for sparing your time.
With best wishesAdam Fischer
Conductor
Former Musical Director of the Hungarian State Opera
Member of the Hungarian Helsinki Committee
International artists wrote an open letter to protest the appointment of the director of the “Új Színház” (the New Theatre) in Budapest.
US ambasador to Hungary, “The New York Times” regular colomnist, President of Finnish Supreme Court express concern about current Hungarian government policy.
Op-Ed by Ambassador Eleni Tsakopoulos Kounalakis published in the Hungarian weekly Heti Válasz
The economist and one of the regular columnists Paul Krugman wrote an article in The New York Times
EU Commission concerned about the new law potentially undermine the independence of the central bank.
Six Roma perpetrators of a “hate crime” against Hungarian nation were released, after having served two years and eleven months in jail.
Hungarian government passed the “Cardinal Law” which threatens many of the religious organizations.
Calling EU to stop Hungary’s authoritarian government.
An article by Paula Schriefer, Vice President for Global Programs of Freedom House, an independent watchdog
Doubts about the Hungarian media law – Discussion in the German Parliament
In Hungary Right Extreme Tendency is increasing and widely spread.
Story about the National Theater and the New Theater in Budapest.
The article about the appointment of the extreme right theater director.