Open letter to the Hungarian government and the parliament
Adam Fischer, Andras Schiff, Arpad Schilling, Dietmar Schwarz, Matthias Hartmann and Peter de Caluwe wrote an open letter to the Hungarian government and the parliament.
UNGARNS NEUE VERFASSUNG GEFÄHRDET DIE FREIHEIT DER KUNST!
IN DER NEUEN UNGARISCHEN VERFASSUNG (DEM GRUNDGESETZ) WURDE DIE BEVORZUGUNG VON KUNSTWERKEN MIT ‘CHRISTLICH-NATIONALER GESINNUNG’ BEI DER VERGABE STAATLICHER SUBVENTIONEN DE FACTO FESTGESCHRIEBEN.
Der von nationalkonservativen Künstlern gegründete, private Verein “Ungarische Künstlerische Akademie” wird im Grundgesetz zu einer Körperschaft des öffentlichen Rechts erklärt. Durch das neue Grundgesetz in Kombination mit anderen, von der Regierungspartei verabschiedeten Gesetzen, wurde die Künstlerische Akademie gesetzlich auf absehbare Zeit zur höchsten Instanz bei der Verteilung öffentlicher Förderungsgelder bestimmt, Das bedeutet, dass einem geschlossenen Kreis von konservativ gesinnten Künstlern das Recht eingeräumt wird, über die Vergabe von Subventionen, Gehältern, Stipendien, Staatspreisen usw. an alle Künstler des Landes zu bestimmen. Der Präsident der Kunstakademie hat auch bereits ohne Umschweife erklärt, die Akademie werde künftig nur noch Künstler mit “der echten nationalen Einstellung” unterstützen. Gleichzeitig hat er seinem Bedauern darüber Ausdruck gegeben, dass: “im Ausland auch György Konrad als Ungar betrachtet wird, was immer er auch über uns sagt.” Er tritt gegen seiner Meinung nach entartete Kunstwerke in Ungarn auf und hat auch verkündet, Künstler, „die Ungarn aus dem Ausland verunglimpfen, können wahrscheinlich nicht Mitglieder der Akademie werden“ (Mitglieder der Akademie erhalten vom Staat eine feste Zusatzrente, die allein über dem Durchschnittsgehalt in Ungarn liegt).
Die Tatsache, dass die Regierenden eines EU Staates im 21. Jahrhundert der Kunst ideologische Fesseln anzulegen versuchen, bedeutet eine fundamentale Verletzung der Grundprinzipien der freiheitlichen Demokratie. DASS IN UNGARNKÜNSTLER, DIE NICHT REGIMEKONFORM DICHTEN, MALEN ODER SCHREIBEN, MIT FINANZIELLEM DRUCK IN IHRER EXISTENZ BEDROHT WERDEN KÖNNEN, IST NICHT HINNEHMBAR! Und dass das alles noch mit der jetzigen 2/3 Mehrheit der national-konservativen Regierungspartei FIDESZ im Parlament für alle Zukunft in der Verfassung fixiert werden soll, ist ein Skandal, der international uns Künstlern den allgemeinen Protest zur Pflicht macht. Wir bitten alle Künstler Europas und der Welt, denen die Freiheit der Kunst wichtig ist, sich unserem Protest anzuschliessen.
WIR FORDERN DIE UNGARISCHE REGIERUNG UND DAS UNGARISCHE PARLAMENT AUF, DIE VON IHNEN UNTER PROTEST SÄMTLICHER ANDERER DEMOKRATISCHER KRÄFTE EINSEITIG IN DAS GRUNDGESETZ EINGEBRACHTE FORMULIERUNG ÜBER DIE UNGARISCHE KUNSTAKADEMIE WIEDER ZU ENTFERNEN UND DAMIT DER SONDERSTELLUNG IDEOLOGISCHER TUGENDWÄCHTER DER KUNST EIN ENDE ZU BEREITEN!
ADAM FISCHER (DIRIGENT)
ANDRAS SCHIFF (PIANIST)
ARPAD SCHILLING (REGISSEUR)
DIETMAR SCHWARZ (INTENDANT, DEUTSCHE OPER BERLIN)
MATTHIAS HARTMANN (DIREKTOR,BURGTHEATER WIEN)
PETER DE CALUWE (INTENDANT, THEATRE DE LE MONNAIE, BRUXELLES)